Woche 21 / 2019

Drei Generationen im Klassenzimmer

9100 Stunden Freiwilligenarbeit, geleistet von 117 Personen an 34 Schulen in der Region Emmental- Oberaargau. Das von der Pro Senectute betreute Projekt «win³ – drei Generationen im Klassenzimmer» ist eine Erfolgsgeschichte. Der Oberaargauer durfte in Roggwil einen Schulbesuch machen und unterhielt sich mit der win³-Projektleiterin Emmental-Oberaargau, Jacqueline Seiler-Hug.

«Siehst du, der Tag hat 24 Stunden. Bei zwölf geht es einfach weiter! Dreizehn, vierzehn, hier ist fünfzehn Uhr. – Abends 8 Uhr ist also?» Mit einer Engelsgeduld sondergleichen geht Fritz Menzi imSchulzimmer der 1./2. Klasse von Sandra Augstburger von Tisch zu Tisch. Stellt hier Fragen, fordert da etwas mehr Konzentration und hilft dort weiter, wo es nicht mehr weitergeht. Seit bald zwei Jahren geht der Langenthaler Fritz Menzi wieder zur Schule. Jeden Dienstagmorgen. Der pensionierte Kaufmann und Unternehmer ist 66 Jahre alt und nimmt am Projekt «win³ – drei Generationen im Klassenzimmer» teil. Im Schulhaus 1 in Roggwil unterstützt Fritz Menzi während zwei Stunden Lehrperson Sandra Augstburger im Fach «Natur–Mensch – Umwelt», anschliessend hilft der Senior in einer weiteren Klasse im Französisch-Unterricht mit. Ein tolles Generationenprojekt «win³ ist eine gefreute Sache», meint auch Jacqueline Seiler-Hug. Die 39-jährige Roggwilerin arbeitet seit sieben Jahren bei der Pro Senectute Emmental-Oberaargau in Langenthal, wo sie als Projektleiterin das Generationenprojekt begleitet. Ein Projekt, das stark gewachsen sei, wie sie feststellen kann. «Als ich bei Pro Senectute meine Arbeit aufgenommen hatte, waren zehn Seniorinnen und Senioren im Rahmen von win³ an drei Schulen tätig. Im vergangenen Jahr waren in der Region Emmental-Oberaargau bereits 117 Freiwillige an 34 Schulen im Einsatz und investierten 9100 Stunden an unentgeltlicher Arbeit». Noch beeindruckender wird die Bedeutung des Generationenprojekts, wenn man die Zahlen aus dem gesamten Kanton Bern heranzieht. 2018 waren 624 Personen in 116 Gemeinden im Einsatz – sie haben dabei 54’761 Lektionen mitgestaltet. «Dieses Engagement verdient grossen Respekt und Anerkennung », findet Jacqueline Seiler-Hug.

Ungemein wertvolle Entlastung
Dankbar für das Engagement von Fritz Menzi ist auch Sandra Augstburger. «Es entlastet die Lehrperson ungemein, wenn eine zweite Person da ist, die mithilft», sagt die 26-jährige Attiswilerin, die in Roggwil in einem 70 Prozent-Pensum aktuell 19 – im vergangenen Schuljahr sogar bis zu 27 – Kinder unterrichtet. Gerade auch, weil das aktuelle Thema «Uhrzeit» ein anspruchsvolles Thema sei. Konnte die volle Stunde noch einigermassen leicht erklärt werden, wird es bei den halben Stunden schon mal schwieriger und bei den Viertelstunden schon viel, viel schwieriger. Nicht alle Schülerinnen und Schüler finden es auf Anhieb einleuchtend, dass grosser und kleiner Zeiger auf derselben Position nicht die selbe Anzahl an Minuten respektive Stunden anzeigen... Unterstützung ist während des Unterrichts an allen Ecken und Enden gefragt – Sandra Augstburger und Fritz Menzi zirkulieren unentwegt von Zweiergruppe zu Zweiergruppe. Die beiden sind ein perfekt eingespieltes Team, das sich während des Unterrichts nicht auszutauschen braucht. mehr

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