Woche 50 / 2018

Ein ganz grosses Herz für Schwächere


Leidenschaftliche Motorradfahrer mit einem grossen Herz für Schwächere – das sind die Langenthaler Chlouse-Biker. Heute Abend veranstalten sie bereits zum siebten Mal den Chlouse- Biker-Corso und sammeln dieses Jahr beim traditionellen Glühwein & Risotto in der Marktgasse Geld fürs Oberaargauer Tageszentrum für Betagte TABEO. Oberchlous Dänu Zaugg hofft auf viele Chlouse und zählt auf die Spendierfreudigkeit der Bevölkerung – damit dem TABEO am 23. Dezember ein möglichst grosser Betrag übergeben werden kann. «Wir sehen es nicht als selbstverständlich an, dass wir als Töffahrer mit unseren Maschinen so viele wunderbare Momente erleben dürfen,» sagt Dänu Zaugg. Erlebnisse, die anderen Menschen ein Leben lang verwehrt blieben, führt der 62-jährige- Fahrlehrer, der in seiner bald 40-jährigen Karriere rund 3800 Leute ausgebildet hat, weiter aus. Auf einer dieser wunderbaren Töfftouren sei die von ihm vorgebrachte Idee, in Langenthal einen Chlouse-Biker-Corso zu Gunsten einer lokalen Institution zu organisieren, positiv aufgenommen – und dann am 6. Dezember 2012 auch ziemlich spontan ein erstes Mal umgesetzt worden.


Spontan, unkompliziert, unbürokratisch
So spontan wie der erste Corso organisiert wurde, so spontan, unkomplizert und unbürokratisch sind die Chlouse- Biker geblieben. Sie sind kein Verein, sondern eine Gemeinschaft von Motorradfahrern geblieben, allerdings mit einem grossen Herzen, wie Dänu Zaugg betont. Wer ein Motorrad oder ein Töffli besitzt, kann beimCorso mitmachen. Einzige Bedingung: Mitfahren kann man nur im einheitlichen Chlouse-Kostüm, das man selbst bezahlen muss, ebenso wie die Dekoration am Bike.

Tradition der Love Rides
«Nein, die Idee einer Motorrad-Benefizveranstaltung ist nicht ‹auf unserem Mist› gewachsen», gibt der Oberchlous der Langenthaler Chlouse- Biker unumwunden zu, «die Idee der Love Rides hat natürlich eine lange Tradition. Wie so vieles wurde sie aus Amerika in die Schweiz gebracht. Am 1. Mai 1993 wurde der Love Ride Switzerland in Dübendorf erstmals durchgeführt. Damals brachten etwa 200 Leute auf 99 Motorrädern immerhin 7500 Schweizer Franken an Spenden zusammen. In der Zwischenzeit ist der Love Ride Switzerland zur grössten eintägigen Motorrad-Benefizveranstaltung Europas geworden. Über 5000 Motorräder und gegen 20’000 Besucher werden jeweils erwartet. Der Erlös für die Stiftung liegt heute bei rund 500’000 Franken.

Viel Vertrauen aufgebaut
Von solchen Zahlen können die Langenthaler Chlouse-Biker nur träumen. «Wir konnten in den letzten sechs Jahren viel Vertrauen aufbauen und unser Sammelergebnis vervielfachen», stellt Dänu Zaugg zufrieden fest. Das Vertrauen sei gewachsen, weil die Chlouse-Biker die Übergabe des Geldes öffentlich abhalten, nämlich immer am zweiten offenen Sonntag in Langenthal, direkt im Anschluss an die Aufführung der Weihnachtsgeschichte in der Marktgasse. «Die Leute sollen wissen, wem sie ihr Geld anvertrauen und sie sollen auch sehen, dass ihre Spende am richtigen Ort ankommt », betont der Oberchlous. Insgesamt rund 20’000 Franken haben die Chlouse-Biker in den vergangenen sechs Jahren mit ihrem Corso zusammengetragen und sechs lokalen Institutionen gespendet: HPS Langenthal, Kinder- und Jugendfachstelle To- KJO, Schoio-Familienhilfe, Seniorebrügg Langenthal und Umgebung, Kinderkrippe Windrose Langenthal sowie Wohnheim im Dorf Bleienbach. Der Ertrag des heutigen siebten Corso ist für das Oberaargauer Tageszentrum für Betagte TABEO mit den beiden Standorten Langenthal und Niederbipp bestimmt.

Risotto vom 18-Punkte-Koch, Chlouse-Säckli für die Kinder
Neben Spenden trägt auch der Verkauf von Glühwein und Risotto zum Sammelergebnis bei. «Seit dem dritten Corso verkaufen wir in der Marktgasse auch Risotto – seit da sind die Erträge sprunghaft nach oben angestiegen », stellt Dänu Zaugg fest. Das kommt nicht von ungefähr. Denn der Risotto wird nicht von irgend jemandem zubereitet, sondern von Nik Gygax, dem mit 18 Gault-Millau-Punkten dekorierten Spitzenkoch vom Löwen Thörigen. «Ein lieber Freund von mir», wie Dänu Zaugg anfügt. Viel zur Beliebheit des Chlouse-Biker- Corsos trägt auch die Abgabe von 400 bis 500 Chlouse-Säckli an Kinder bei. Jedes Kind, das einem der Samichlouse ein Versli aufsagen kann, erhält ein Säckli. «Wir sind dankbar, dass uns ein Sponsor die Säckli finanziert », betont der Dänu Zaugg. Und weitere Sponsoren wären jederzeit willkommen.

Einmal einen Corso mit 100 Chlousen fahren ...
Es ist jeweils ein ganz besonderes Spektakel, wenn ein «Ho, ho, ho» in den Langenthaler Gassen das Kommen der Chlouse-Biker ankündet und dann der ganze Tross mit grossem Getöse in die Markthalle einfährt. «32 Chlouse gehören zum Stamm – es wäre schön, in Langenthal einmal einen Corso mit 100 Chlousen fahren zu dürfen», sagt Dänu Zaugg. Der Oberchlous führt den Corso jeweils mit seinem Seitenwagen, einem Dnepr K 750, an. «Ein Oldtimer – kein wertvoller, aber nicht ganz einfach zu fahren », lacht Dänu Zaugg. Ein Töff, der ab 1956 im damals russischen, heute ukrainischen Kiew produziert wurde, und den er gekauft habe, weil er damals auch seinen Berner Sennenhund auf Ausfahrten mitnehmen wollte. «Ich brachte den Hund sogar so weit, dass er sich bei Fahrten eine Brille aufsetzen liess, nur eine Mütze wollte er nie tragen», erinnert sich der Fahrlehrer und lacht herzhaft. Man kann sich lebhaft vorstellen, wie viel Aufsehen die beiden unterwegs jeweils erregt haben ...

Kommet in Scharen, wenn die Chlouse-Biker fahren
Heute Abend hofft Zaugg auf möglichst viel Ramba-Zamba in der Marktgasse. Getreu dem Chlouse-Biker- Motto «Kommet in Scharen, wenn die Chlouse-Biker fahren» hofft der Oberchlous auf möglichst viel Publikum in der Marktgasse. Um 18 Uhr gehts los, etwa um 18.30Uhr sollte der Corso, der bei der Markthalle startet, in der Marktgasse eintreffen. Weitere Informationen unter www. chlouse-biker.ch.

THOMAS FÜRST